Freiwillige Feuerwehr West-/Mittegroßefehn & Ulbargen

Teil I: Historie

Entstehung der Fehne

Großefehn – das Wort „Fehn“ bezeichnet eine besondere Form der Kultivierung eines Moorgebietes. Dieses Verfahren der „Verfehnung“ wurde aus dem Gebiet der heutigen Niederlande übernommen und später dann auch in Ostfriesland eingesetzt. Hierbei wurde ausgehend von einem natürlichen Wasserlauf ein Kanal in das zu erschließende Moorgebiet vorgetrieben. Dieser Kanal diente einmal der Entwässerung des Moorgebietes, er war aber gleichzeitig auch der einzige nutzbare Verkehrsweg. Zu beiden Seiten des Kanals wurde dann der Torf abgegraben, getrocknet und auf Schiffen abtransportiert. Er wurde als Brennstoff verkauft. Die abgetorften Parzellen am Kanal wurden dann auf Erbpachtbasis an Kolonisten abgegeben. Diese Kolonisten hatten ihre Parzellen dann weiter zu kultivieren und landwirtschaftlich nutzbar zu machen.

In Westgroßefehn begann im Jahr 1633 die Erschließung eines Moorgebietes mittels des heutigen Großefehnkanals. Der als Startpunkt dienende natürliche Wasserlauf war der Flumm. Vier Geschäftsleute aus der Stadt Emden erhielten ein Gebiet bestimmter Größe zur Urbarmachung und Brennstoffgewinnung zugeteilt. Dies erschien lohnenswert, da der bis dahin übliche Torfimport aus den heutigen Niederlanden aufgrund des Dreißigjährigen Krieges ins Stocken gekommen war. Und andere Brennstoffquellen wie z.B. ausgedehnte Wälder gab es in dieser Region nicht.

Diese Erschließung der bis dahin unberührten riesigen Moorflächen stieß in den schon vorhandenen älteren Bauerndörfern wie Timmel, Aurich-Oldendorf und Bagband nicht nur auf Gegenliebe, da diese Bewohner diese Flächen bisher als ihr Eigentum angesehen hatten und in den neuen Siedlern nur lästige Konkurrenten sahen. Bisher wurde hier nach dem sog. „Upstrecksrecht“ verfahren, d.h. jeder durfte ausgehend von seiner Parzelle am Rande des Moores einen Streifen in das Moor hinein kultivieren, bis er auf ein natürliches Hindernis oder dem Bearbeitungsstreifen eines anderen Mooranwohners traf. Hierdurch entstanden die teilweise in Ostfriesland typischen langen, streifenförmigen Ländereien. Diese änderte sich erst im Jahr 1785, als Friedrich der Große mit dem „Urbarmachungsedikt“ die ungenutzten Flächen des Moores in den Besitz des Staates, also Preußens, nahm. Danach konnte die Erweiterung der verschiedenen Fehn-Siedlungen von höherer Stelle koordiniert werden.

Auch das Erschließungsgebiet um den Großefehnkanal wurde im Laufe der Zeit immer weiter vergrößert und der Kanal verlängert. Ungefähr um das Jahr 1673 war man beim heutigen Feuerwehrgebäude angelangt, 1760 hatte man die heutige B72 erreicht. Allerdings musste man zwischenzeitlich einen Knick nach Norden machen, um einen Sandrücken („Schrahörn“ und weiter oben „Heidhörn“) zu umgehen. Insgesamt wurde aber die östliche Richtung eingehalten. Im Jahr 1799 wurde die heutige Poststraße in Ostgroßefehn erreicht, der Arendshügel im Jahr 1835. Es bildete sich dann auch bald eine Unterscheidung zwischen Unterende/Westende und Oberende/Ostende heraus, die Trennlinie verlief schon damals beim heutigen Feuerwehrhaus. Aus dieser Aufteilung heraus entstanden dann die Orte Westgroßefehn und Mittegroßefehn. Nach 1840 etablierte sich dann durch den Bau der heutigen Bundesstraße eine weitere Trennlinie, das Gebiet östlich der heutigen B72 wurde als Ostgroßefehn bezeichnet.

Ein Problem war es in Großefehn immer, einen ausreichenden Wasserstand im Kanal zu halten, der die Schiffbarkeit sicherstellte. Dazu mussten schon früh Schleusen und windbetriebene Wasserschöpfmühlen zum Hochpumpen des durch die Schleusungen verloren gegangenen Wassers eingebaut werden. Bis zum Ende der Erweiterungen des Fehn-Gebietes in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts musste so ein Höhenunterschied von ca. 8,5 m mit Schleusen überwunden werden. Die erste Schleuse in Westgroßefehn wurde 1711 gebaut(Schleuse II: 1756, Schleuse III: 1819, Schleuse IV: 1853). Diese Fehneinrichtungen wurden zusammen mit den erforderlichen Klappbrücken von der Fehngesellschaft unterhalten. Diese Fehngesellschaft wurde von einer Anzahl von Obererbpächter, jeder mit einer gewissen Anzahl von Anteilen, gebildet. An der Spitze stand der Fehndirektor. Diese Fehngesellschaft kümmerte sich um die Verwaltung der gesamten Verfehnung. Im Jahr 1936 ging die Verwaltung an einen Zweckverband über, ab 1974 wurden diese Aufgaben von Entwässerungsverband Oldersum und der Gemeinde Großefehn übernommen. Jetzt wurden auch die Erbpachtverhältnisse in den Grundbüchern gelöscht.

Durch den Abtransport des Torfes mit Schiffen hatten die Fehntjer schon immer einen besonderen Bezug zur Schiffahrt, und nicht nur zur Binnenschiffahrt. Für viele Kolonisten wurde die Schiffahrt zur Haupteinnahmequelle. Der gewonnene Torf musste zunächst nach Emden geschafft werden, auf dem Rückweg wurden dann wiederum andere Güter nach Großefehn gebracht. Diese Fahrten der Fehn-Schiffer endeten aber nicht immer in Emden, sondern führten im Laufe der Zeit auch immer weiter, die Ems hinauf und in die Nordsee. Zusammen mit den in Großefehn etablierten Werften entwickelte sich so eine Seeschiffahrt, die bis nach Südamerika führte. Obwohl bei diesen risikoreichen Fahrten eine große Anzahl an Schiffen verloren ging, kamen einige Familien auf dem Fehn zu einigem Reichtum, wenn sie einige Fahrten erfolgreich durchführen konnten. Die Bedeutung Großefehns an der Schiffahrt der damaligen Zeit lässt sich an folgenden Zahlen ausmachen:

Seeschiffe Großefehn:

  • 1789: 38
  • 1816: 18
  • 1862: 45
  • 1865: 50
  • 1867: 55
  • 1877: 58

Und dies waren nur die hochseetüchtigen Schiffe, die Torfschiffe etc. finden hier keine Berücksichtigung. Die Bedeutung der Seeschiffahrt wird ebenfalls durch die 1846 gegründete Navigationsschule in Timmel deutlich. Im Jahr 1877 stand Großefehn mit der Zahl von 58 hier beheimateten Seeschiffen in Deutschland an 16. Stelle. Danach war der Höhepunkt überschritten.

Oftmals legten diese finanziell gut ausgestatteten Familien ihr Vermögen dann in Ländereien an und legten so den Grundstock zu größeren landwirtschaftlichen Betrieben in Großefehn. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhundert verlor die Schiffahrt dann an Bedeutung für Großefehn. Der Schritt vom Holz- zum Stahlrumpf und auch vom Segel- zum Dampfschiff wurde von den hiesigen Werften nicht mehr vollzogen; es hätte auch wenig Sinn gehabt, da die schlechte Anbindung an die Ems den Bau größerer Schiffe in Großefehn unmöglich machte (Papenburg hat da eine bessere Anbindung…).

Die letzte Erweiterung des Erschließungsgebietes erfolgte im Jahr 1878, die letzten Arbeiten im Bereich des Großefehnkanals wurden ganz im Osten in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts ausgeführt. Dort wurden noch einige Wieken angelegt, d.h. quer zum Hauptkanal verlaufende Stichkanäle. Diese Wieken sind bei anderen Fehnsiedlungen weiter verbreitet. In Großefehn wurden sie nicht benötigt, weil das Gebiet, welches mit Hilfe des Großefehnkanals erschlossen wurde, in Nord-Süd-Richtung nur eine geringe Ausdehnung aufweist (dieses Gebiet ist nicht mit dem heutigen Gemeindegebiet zu verwechseln). Im Jahre 1933 erfolgte der Durchstich zum Nordgeorgsfehnkanal.

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte der Kanal für die Schiffahrt keinerlei Bedeutung mehr. Er war nur noch für die Entwässerung erforderlich, allerdings war der Abfluss des Wassers nach Oldersum und dann in die Ems auch nicht immer sichergestellt, so dass es in dem westlich von Westgroßefehn gelegenen Niederungsgebiet, denn Meeden, regelmäßig zu weiträumigen Überflutungen kam. Um die Entwässerung zu verbessern, wurde dann der Randkanal oder Sauteler Kanal gebaut und in den achtziger Jahren fertig gestellt. Es existierten Pläne, den Großefehnkanal dann teilweise zu verfüllen, da er dann ganz überflüssig war. Dies konnte jedoch glücklicherweise noch verhindert werden, da seine prägende Bedeutung für die Ortschaften und für den aufkommenden Tourismus erkannt wurde. Ein langfristiges Ziel ist es jetzt wieder, den Großefehnkanal auf ganzer Länge für den Sportbootverkehr schiffbar zu machen.

Seit einigen Jahren wird jetzt ein Teil der Meeden im Rahmen des Naturschutzes planmäßig wiedervernässt – so ändern sich die Sichtweisen.

1979: Überschwemmungen bei Westgroßefehn

1979: Überschwemmungen bei Westgroßefehn

Ebenfalls im Jahr 1979

Ebenfalls im Jahr 1979

Wiedervernässung durch ein Sperrwerk im Flumm

Wiedervernässung durch ein Sperrwerk im Flumm

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