Teil I: Historie

Brandbekämpfung zur Gründungszeit

Die Freiwillige Feuerwehr West-Mittegroßefehn ist eine der ältesten, noch intakten Bürgervereinigungen in der Gemeinde Großefehn. Ihre Entwicklung ist eng verknüpft mit der Besiedelung der Ortschaft Westgroßefehn.

Die Häuser waren im ausgehenden 19.Jahrhundert, gemessen am heutigen Stand der Bau- und Brandschutztechnik, geradezu primitiv. Sie wurden zumeist mit Stroh oder Reith gedeckt und boten deshalb reiche Nahrung für Blitzschläge und Funkenflug aus den offenen Feuerstellen. Hinzu kam die damals noch unbekannte, heute mathematisch bestimmbare Verhältnismäßigkeit von lichter Weite zur Höhe der Schornsteine als Mitfaktor für guten Rauchgasabzug und vollkommene Verbrennung. Der hohe Kondenseffekt solch unberechneter Schornsteine, die meistens noch am kühlen Vordergiebel hochgeführt wurden, führte in den meisten Fällen zu einer argen Versottung. In nassen Sommern schlecht gewonnener Torf und nasses Brennholz förderten zudem in vermehrtem Maße die Ruß- und Teerbildung. Kein Wunder, dass es immer wieder zu Schornsteinbränden kam, besonders bei heftigen Winden oder Sturm, weil die weiten Schornsteine dann am besten zogen. Wegen fehlenden Brandgiebels (Brandmauer) führte ein solcher Brand fast immer zum Totalverlust des Hauses. Sicherlich lag die Schornsteinreinigung damals auch sehr im Argen.

Es gab noch kein elektrisches Licht. Die mehr oder weniger offene Petroleumlampe mit ihrem unschwer entflammbaren Leichtöl hatte die schwerfällige Tranlampe abgelöst und regierte mit all den daran geknüpften Gefahrenmomenten das Dunkel in Haus und Stall. Um 1840 bemühte sich die Obrigkeit im Königreich Hannover, den Bauern das Betreten der Scheunen mit offenem Licht abzugewöhnen. Muss es da wundern, dass der Feuerschutz neben Entwässerungsfragen immer wieder zum „brennenden“ Hauptpunkt der Tagesordnung von Gemeindeversammlungen erhoben wurde? Schließlich wurde die Vorschrift erlassen, dass jeder Hausbesitzer einen meist aus Leder gearbeiteten Brandeimer bereithalten musste. Leder hatte den Vorteil des geringeren Gewichts und der geringeren Verletzungsgefahr im Verhältnis zu den damaligen schweren, kantigen Holzeimern. Zudem waren sie wegen des weichen Materials auch zu keinem anderen Zweck – etwa zum Viehtränken – zu gebrauchen.

Feueralarm wurde mit dem sog. „Fürhorn“ gegeben. Nach der Erinnerung war das ein nach Schalmeienart leicht gekrümmtes Messinghorn. Manche Hörner hatten ein Drückventil, womit wechselweise ein hoher und ein tiefer Ton mit der Signalwirkung eines Martinshorns erzeugt werden konnte. Das ,,Fürhorn“ wurde in einem bestimmten Hause, oft bei einem überwiegend hausanwesenden Handwerker verwahrt. In der ehemaligen Gemeinde Ulbargen (heute zum Löschbezirk von West-Mittegroßefehn gehörig) verwahrte es der Schmiedemeister Peter Hinrichs. Ein weiteres Requisit der Brandhilfe vergangener Tage (zum Teil auch heute noch) war der Brandhaken. Er war an Stellen mit besonders enger Besiedelung – für jedermann bei Brandgefahr erreichbar – witterungsgeschützt öffentlich deponiert. Sie hingen z.B. in der ehemaligen Gemeinde Ulbargen an der Außenwand eines Schuppens bei der dortigen Gaststätte Bleß. Sie waren in den meisten Fällen von den örtlichen Schmiedemeistern handgeschmiedet, hatten eine überstehende Spitze, darunter einen leicht gekrümmten Haken und einen langen Stiel, ähnlich einem Bootshaken. Das in Rede stehende Werkzeug diente dazu, bei einem brennenden Haus Mauerteile niederzureißen, um schneller Betroffene, Tiere usw. (lngood) bergen zu können. Mit der überstehenden Spitze wurde zunächst die obere Ziegelschicht aus dem oft lehmgemauerten Mauerwerk herausgestoßen, um anschließend mit dem Haken den nötigen Durchlass in die Mauer zu reißen. Ein Zeitzeuge berichtet, dass die Brandhaken oft ein Dorn im Auge der Feuerversicherung waren, weil von ihnen über die Maßen Gebrauch gemacht wurde. Der Wert des bei dem Brand stehengebliebenen Mauerwerks wurde nämlich zum Nachteil der Brandbetroffenen bei der Schätzung des Brandschadens in Abzug gebracht. Fazit: Je weniger stehengebliebenes Mauerwerk umso höher die Schadenssumme.

War ein Brand ausgebrochen und hatte das „Fürhorn“ seine alarmierende Wirkung getan, eilte alles was Beine hatte mit dem Brandeimer zur nächsten Wasserstelle (Pütt) oder zum nahen Fehnkanal, um mit flinker Kette das Löschwasser zur Brandstelle zu befördern, wie es Friedrich von Schiller in „Die Glocke“ meisterhaft schildert. Gleichzeitig setzten sich Männer mit den Brandhaken in Trab, um die Mauern des Brandhauses zu „fällen“. Es liegt auf der Hand, dass diese Art Brandbekämpfung äußerst mühsam, sicher oft erfolglos und entmutigend war.

Durch die Weiterentwicklung des „Großen Vehns“ im 19.Jahrhundert entstanden jedoch vermehrt wertvolle Wirtschaftsgüter und größere Anlagevermögen, die in der Folge auch einen verbesserten Brandschutz verlangten, den es zu organisieren gab.

In den Gemeindeversammlungen wurden deshalb in gewissen Abständen ein Brandmeister und ein sachverständiges Mitglied der sogenannten „Feuerschau“ gewählt. 1877 waren dazu der Holzhändler J. Frerichs als Brandmeister und der Zimmermann A. Eilers als Sachverständiger berufen. Den genannten Bürgern wurde für jede „Feuerschau“ 1,50 Mark bewilligt. Wegen Mangels an technischer Ausrüstung für die Brandbekämpfung setzte man mehr auf Methoden der Brandverhütung.

Letztlich wurde man seitens des Gemeindevorstandes mit den bisherigen Methoden der Brandbekämpfung immer unzufriedener. In der Communenversammlung am 7. Oktober 1882 in der Dorfschule in Westgroßefehn wurde als Punkt 2. auf die Tagesordnung gesetzt:

„Berathung über Anschaffung einer Feuerspritze für hiesige Gemeinde.“

Laut Niederschrift wurde der Beschluss gefasst, eine Commission, bestehend aus 5 Personen, zu bilden.

„Dieselben haben Erkundigungen bei den Fabriken einzuziehen und über das
Ergebniß der Gemeinde dann zunächst Bericht zu erstatten, die dann
das Weitere veranlaßt.“

Die Commission bildeten die Herren J. Frerichs, J. Eilers, H.W. Campen, Ortsvorsteher Hinrichs und der 1. Beigeordnete. In dieser Niederschrift wird auch der von der Gemeinde bewilligte Betrag von 450,- Mark zum Bau eines Spritzenhauses erwähnt.

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