Teil I: Historie

Ab 1883 – Die Gründung

Die Freiwillige Feuerwehr West-Mittegroßefehn/Ulbargen entstand als eine der ersten Feuerwehren in Großefehn im Jahre 1883 in der damaligen Gemeinde Westgroßefehn. Das Spritzenhaus stand neben der „Gastwirtschaft zum Compagniehaus“. Es handelte sich hier um das Gebäude des 1. Compagniehauses der Großefehncompagnie, das um 1960 abgerissen wurde. Untergebracht war im Spritzenhaus die zu dieser Zeit hochmoderne Handdruckspritze. Sie wurde von der Firma Adolph Pieper in Moers a. Rhein erbaut. Es löst noch heute Erstaunen aus, dass dieses Produkt der damaligen modernen Brandbekämpfungsmittelindustrie fast 60 Jahre ununterbrochen der hiesigen Brandbekämpfung gedient hat.

Bei der Gründung der Feuerwehr wurde mit der Führung des Buches „Sprütze Westgroßefehn“ begonnen. Als erste Ausgabe vom Mai 1883 wurden 25 Pf „für Anlegung dieses Buches“ eingetragen. Es wurden anfangs nur Einnahmen, Ausgaben und Einsätze aufgelistet. Informationen über Aktivitäten und über Wahlen des Brandmeisters erhält der Leser nicht.

Das Grundstück für das Spritzenhaus wurde zunächst für 30 Jahre gepachtet. In der Gemeindeversammlung wurde die Spritzenmannschaft benannt und gewählt. Die Feuerwehrmänner der ersten Stunde waren Männer, die am wenigsten ortsabwesend waren. Die erste Spritzenmannschaft bestand aus 4 Mann: H.E. Soeken, Bernhard Saathoff, H. Campen und Cassen Saebens. Es handelte sich um eine Art Pflichtfeuerwehr mit einem Entgelt für Einsätze außerhalb der Gemeinde. Einmal im Jahr, meistens im Oktober, fand beim Spritzenhaus, das heute nicht mehr vorhanden ist, eine Übung statt.

In der Gemeindeversammlung vom 15. April 1884 in der Schule Westgroßefehn wurde zu Angelegenheiten der Feuerwehr folgendes beschlossen:
  1. Bei der jährlichen Probe hat jedes Haus einen Mann zu stellen.
  2. Fürs Fehlen bei der Spritzenprobe muss 1,50 Mark Strafgeld bezahlt werden.
  3. Beim Brand innerhalb der Kommune muss jeder Hand anlegen, kein Geld beanspruchen noch verlangen.
  4. Beim Brand außerhalb der Gemeinde gilt: Bis zu einer Entfernung von 6 Kilometer erhält die „Angestellte Person“ der Spritzenmannschaft 2 Mark, über 6 km 2,50Mark. 1/3 der verdienten Prämiengelder ist für das Spannwark

Der Brandschutz wurde von den Gemeindevätern also für so schwerwiegend gehalten, dass sie die eigentlich für selbstverständlich zu haltende Solidargemeinschaft sogar per Strafgeld erzwingen durften. (Es herrschte die Goldwährung und das Geld war knapp). Die Feuerwehr war zu dieser Zeit personell und finanziell noch voll in die politisch eigenständige Gemeinde Westgroßefehn eingegliedert.

Auszug aus den Protokollen:
  • 18.02.1884: Gerd Heyen neues Kleid über Spritze 4 Mark, 75 Pf
  • 20.10.1884: Johann Groothuis Brandhaken gemalt 3 Mark, 45 Pf
  • 10.05.1885: Johann Frerichs Wagenschmiere und Licht 1 Mark, 20 Pf.
  • 19.05.1885: Joh. Eilers an der Spritze gearbeitet 2 Mark, 30 Pf.
  • 21.06.1885: Mit der Spritze nach Ostersander verzehrt 1 Mark, 60 Pf.
  • 20.09.1885: Versicherung der Spritze und Haus 2 Mark
  • 05.10.1885: Geike Caßens Brandhaus und Haken gemacht 6 Mark
  • 30.04.1886: Focke Hose fürs Rufen beim Brand 2 Mark
  • 01.05.1886: H. Brunken für Einstell und Knüppel 11 Mark
  • 01.05.1886: D. Dirks u. B. Saathoff an Spritze gearbeitet 14 Mark, 10 Pf.

Das Protokollbuch von 1885 weist als ersten Brandmeister Hinrich Loets aus. Dieser verstarb 1887. Danach wurde Loet Hinrichs für 3 Jahre einstimmig gewählt.1887 wurde auch die erste Spritzenmannschaft abgelöst. Statt bisher 4 wurden nur 3 Angestellte bestimmt und einstimmig gewählt: Gemeindevorsteher Campen, Behrend Saathoff, Cassen Saebens. Ersatzmänner sind: Anton Eilers und Gerd Boelsen. Alle nahmen die Verpflichtung an.

Die Gemeindevertreter verhandelten am 7. Dezember 1887 auch über „das Spannwark bei der Sprütze“. Sie beschlossen eine Art Fuhrmanns- Dienstanweisung:

„Bei Ankunft an der Brandstätte bringt der Fuhrmann erst die Pferde in Sicherheit, dann muß der Fuhrmann bei der Sprütze in aller Möglichkeit Hand biten und Hülfe leisten, ohne daß er mehr als ein Drittel der Prämien beanspruchen noch verlangen kann.“

Weitere Auszüge aus den Protokollen:

Gemeindevorsteher zahlte für fünf Mützen für die Angestellten 18 Mark, 50 Pf. Den Bestand Mark 179,29 den 20. Juni 1889 zu Communal-Ausgaben verwendet.
Der Gemeindevorsteher H. Campen

  • Von 1886 bis 1889 Mai bei Spritzenproben verzehrt 8 Mark, 55 Pf
  • 13.07.1887: G. Boelsen für Leinen und Strengen 1 Mark
  • Meyers Brand in Hesel Pferde Brood 1 Mark, 40 Pf.
    Johann Frerichs für die Thur nach Hesel 10 Mark
    Johann Rickels für Spannwark nach Bagband 5 Mark
    H.Campen für Rickejs Pferde Broodt bezahlt 1 Mark
  • 29.12.1889: Brand Im Rettungshaus Mittegroßefehn
    11.03.1890: An H.W. Hippen für 2 Kissen auf der Spritze 9 Mark

Im Jahre 1893 verstarb der Brandmeister Loet Hinrichs. Dafür wurde Johann Backer auf 3 Jahre ein stimmig gewählt. Über die Neuwahl oder Wiederwahl der nachfolgenden Brandmeister gibt es im Protokollbuch keine genauen Niederschriften.

Auszug aus den Protokollen:
  • 24.06.1893: Onneken für Farbe Wagenfettmaler und Reinigen der Spritze
    3 Mark, 60 Pf.
  • 30.11.1893: Lanternen geändert u. 1 Pfund Licht 3 Mark, 80 Pf
  • 02.02.1894: Bericht an Landrath wegen Spannwark Mannschaft und Porto 20 Pf
  • 08.03.1894: J. Stracke neuen Saugerkorb 1 Mark, 25 Pf.
  • 08.03.1894: H. Campen Baarauslagen und Schreib (material) für 2 Jahre 2
    Mark, 25 Pf.
  • Bestand am 8.3.1894 = 269,15 Mark. Verbraucht zu Communalabgaben Mark 169,15, bleibt Bestand Mark 100.
    Den 10. März 1894 der Gemeindevorsteher H. Campen
  • 20.10.1894: H. Stecker für Spannwark nach Jheringsfehn 10 Mark
  • 14.12.1894: 4 Wachslichter für die Spritze 1 Mark, 20 Pf.
  • 10.04.1895: Herrn G. Wirtjes für Taulieferung an der Spritze 4 Mark, 25Pf
  • 05.10.1895: 1 Pfund Stearienlicht 1 Mark, 80 Pf
  • 15.12.1895: Prämie erhalten Brand Schirumer Ostersander Armhaus 30 Mark
  • 11.01.1896: Verzehrung und Auslagen bei J. Backer auf Sedanfeier 25 Mark, 70 Pf.
  • 18.10.1897: für Reinigung der Steine um Spritzenhaus 25 Pf.
  • 25.10.1897: Schleugen (Schläuche) bezahlt an Wilhelm Kux nachfolger Halberstadt zu Halberstadt und Porto 48 Mark, 85 Pf.
  • 04.12.1897: An E.C. Flader Jöhstadt für angeschaffte Sache bei Spritze 65 Mark 80 Pf.
  • 19.07.1898: Für Hüßelein (Garn) Arbeit und Iheer 60 Pf.
  • 19.12.1898: Tuitjer für Bescheidsagen und Holen bei Brand Bingum (Name des Betroffenen) 1 Mark
  • 01.08.1899: An Mareke Backer für Reinigung des Spritzenhauses 80 Pf.
  • 14.08.1899: Protokoll an Landrath von Brand Dr. Siegener Mittegroßefehn 10 Pf. (Porto)
  • 28.09.1899: Zimmerer Eilert Eilers für Pflasterung 30 Pf
  • 12.10.1899: Neues Tuch um den Saugkorb von Schmidt 40 Pf.
  • 04.08.1900: Zu der Telegrafen leitung ausbezahlt 3 Mark
  • 04.10.1900: Brandkassenbeitrag Spritzenhaus 80 Pf.
  • 01.07.1902: Anschaffungen für Spritzenmannschaft 32 Mark, 30 Pf.
  • 16.03.1903: Prämie für den Brand Hans Claasen Freese in Ulbargen 15 Mark
  • 14.04.1903: E.Eilers für Reparatur an Haspel 80 Pf.
  • 26.05.1903: Reinigung des Spritzenhauses für 2 Jahre 1 Mark, 50 Pf.
  • 03.10.1903: Von Brandkasse für neuen Schlauch erhalten 20 Mark, 10 Pf.
  • 18.08.1903: Einnahme Strafgeld von Spritzenproben Onken und Schmidt 3 Mark
  • 08.09.1905: J.W. Folkers neue Brandhaken 5 Mark
  • 16.10.1905: Neue Ölkanne für die Spritze 50 Pf.
  • 01.08.1906: J.Stracke für Strafgeldeinholen 20 Pf.
  • 12.04.1907: Joh. Stracke Gemeindediener Ansagen zur Spritzenprobe 1 Mark, 70 Pf.

Vom 8. Juli 1908 sind uns folgende Wahlergebnisse überliefert:

„Der seitherige Spritzenbrandmeister B. Saathoff und dessen Stellvertreter H. Eilers
wurden auf weitere drei Jahre vom Gemeindevorstand ernannt. Zu Zugführern wurde der
Holzhändler Jann Dannholz und der Zimmermann Johann Rademacher von den Anwesenden
für die gleiche Zeitdauer gewählt. Die bisherige Bedienungsmannschaft wurde einhellig
auf weitere 3 Jahre verpflichtet.“

Auszug aus den Protokollen:
  • 07.02.1909: F.Brunken Maschinenöl 35 Pf
  • 15.03.1911: Verzehrt bei dem Brande des Frerischen Hauses 80 Pf.
  • 02.03.1912: An Müller Onken für Spannwark 2 Pferde 15 Mark
  • 07.12.1913: Niklas Eilers 1. Rechnung für 1 Brandhakenstiel 4 Mark

1913 lief die Pachtzeit für das Grundstück des Spritzenhauses ab. Die Gemeindevertreter schlossen in der Gemeindeversammlung am 12. Juni 1914 einen neuen Pachtvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren ab.

Auszüge aus dem Pachtvertrag:
  1. Herr N. Strüfing verpachtet das Grundstück, auf dem das Spritzenhaus
    aufgebaut ist, an die Gemeinde Westgroßefehn für die Dauer von
    25 Jahren (1914-1939). Als einmalige Pachtsumme bezahlt die
    Gemeinde an N. Strüfing 60 Mark.
  2. Wenn das Spritzenhaus abgebrochen wird, so hat die Gemeinde auf
    Verlangen des jeweiligen Besitzers die fehlende Hecke wieder
    einzupflanzen
    (Anmerkung: Die Erhaltung des Ortsbildes von Westgroßefehn
    ist also keine Erfindung der Neuzeit)
  3. Alle Versammlungen, Spritzenangelegenheiten betreffend, sind
    während der Dauer des Vertrages im N. Strüfingschen Gasthofe
    abzuhalten.

gez. H. Buß, Gemeindevorsteher

Weitere Auszüge aus den Protokollen:
  • 26.08.1921: Brandkassenbeitrag 1 Mark, 60 Pf.
  • 22.09.1922: Brandkassenbeitrag 16 Mark, 20 Pf.
  • 14.03.1923: Brandkassenbeitrag 160 Mark
  • 29.08.1923: Brandkassenbeitrag 1600 Mark
  • 1931: 20 Meter Hanfschlauch lt. Rechnung 27 RM, 20 Pf.

Aus dem Einsatzgeschehen der Zeit von 1883 bis 1934 ist folgendes überliefert:

Die Brandfälle der Pflichtfeuerwehr 1883 – 1933:
  • 1883 – 1886: 6 Brandfälle:
    15.März 1884: Brand in Bagband Prämie: 45 Mark
    30.Mai 1884: Brand in Ostgroßefehn Prämie: 45 Mark
    24.August 1885: Brand in Aurich-Oldendorf Prämie: 45 Mark
    17.Nov. 1885: Brand in Spetzerfehn Prämie: 45 Mark
    6.Dez. 1885: Brand in Timmel Prämie: 30 Mark
    30.April 1886: Brand in Lübbertsfehn Prämie: 45 Mark
  • 1886 – 1889: 8 Brandfälle
  • 1889 – 1891: 9 Brandfälle
  • 1891 – 1895: 19 Brandfälle
  • 19.Okt. 1894: Brand Buß, Jheringsfehn
  • 2.Dez. 1894: Brand Pastorei, Timmel
  • 2.Dez. 1894: Brand R. van Oosten, Timmel
  • 26.Dez. 1894: Brand H. Campen, Westgroßefehn
  • 3.März 1895: Brand Kohler, Timmel
  • 10.Nov. 1895: Brand C. Meyer, Ostgroßefehn
  • 17.Nov. 1895: Brand Jakobs, Boekzetelerfehn
  • 17.Nov. 1895: Brand Bohlen, Königshoek
  • 27.Nov. 1895: Brand Iohmsen, Schirum
  • 8.Dez. 1895: Brand Schule, Holtrop
  • 1896 – 1897: 3 Brandfälle
  • 1897 – 1903: 14 Brandfälle
  • 1903 – 1906: 4 Brandfälle
  • 1906 – 1913: 7 Brandfälle
  • 1913 – 1921: 5 Brandfälle
  • 1921 – 1929: nicht verzeichnet
  • 1929 – 1933: 2 Brandfälle

Nachweislich kamen – wie erwähnt – viele Brände als Schornsteinbrand zum Ausbruch. Die zwischenzeitlich verbesserte, regelmäßige Schornsteinreinigung und die größere Erfahrung beim Bau der Schornsteine dürften jedoch im Laufe der Jahre zur Verminderung dieser speziellen Brandgefahr beigetragen haben.

Wie oben zu sehen ist, fand der erste verzeichnete Einsatz kurioserweise nicht im Heimatort Westgroßefehn statt, sondern führte die Mannschaft nach Bagband (8 km). H. Soeken lenkte die Handdruckspritze mit seinem Gespann. Am 20. April 1884 erhielt er für ,,Spannwark“ 15 Mark (1/3 der Prämie) ausbezahlt. Hervorzuheben ist der für damalige Verhältnisse große Bezirk, in dem die Westgroßefehner Wehr zum Einsatz kam. Augenscheinlich wurde in den umliegenden Gemeinden immer noch mit Brandeimern gearbeitet, während der letzte technische Schrei auf dem Gebiet der Brandbekämpfung im fortschrittlichen Westgroßefehn beheimatet war. Der erste Einsatz am Ort erfolgte erst am 13. Juli 1887, drei Jahre nach Beschaffung der Spritze. Es brannte bei H. de Wall. Am 3. August 1887 brannte es bei H. Meyerhoff in Mittegroßefehn. Am 4. November 1892 wurden die Wehrmänner nach Simonswolde gerufen, und am 30. Juli 1895 war die Wehr gar in Egels im Einsatz. In den Jahren darauf war sie dann im ganzen südlichen Kreisgebiet Aurich aktiv. Besonders reich an Einsätzen war die Zeit vom 19. Oktober 1894 bis zum 8. Dezember 1895.

Aus den alten Abrechnungsbüchern geht nichts über Ursachen und Schadensumfang der einzelnen Brandfälle hervor.

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