Teil I: Historie

Ab 1934 – Umwandlung in eine Freiwillige Feuerwehr

Das Jahr 1934 brachte das Ende der Pflichtfeuerwehr Westgroßefehn. Immerhin hatte sie mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein beredtes Zeugnis vom Beistandswillen Westgroßefehner Bürger abgegeben. Auch der höchstpersönliche Einsatz der ersten Feuerwehrmänner soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wir können uns angesichts der heutigen guten Straßenverhältnisse kaum noch vorstellen, wie z.B. die Männer der ersten Stunde mit ihrer neuen Handdruckspritze und den Pferden davor bereits 1884 zum ersten größeren Brandeinsatz nach Bagband galoppierten. Gar oft wird bei den damaligen schlechten Straßen- und Wegeverhältnissen ohne Straßenbeleuchtung der Brandeinsatz ein halsbrecherisches Nacht- und Nebelunternehmen gewesen sein.

Ab 1934 hatte jede Gemeinde auf staatliche Anweisung eine freiwillige Feuerwehr zu bilden oder musste einem Feuerlöschverband angehören. Daraufhin wurde der Feuerlöschverband West-Mittegroßefehn-Lübbertsfehn gebildet. Lübbertsfehn gehörte diesem Verband bis zur Bildung der Gemeinde Ihlow 1972 an.

In der Gemeindeversammlung vom 5. Februar 1934 wurde dieser Beschluss wie folgt zur Niederschrift genommen:

„Betr.: Feuerwehr wurde beschlossen, die jetzige Pflichtfeuerwehr in eine
Freiwillige Feuerwehr umzuwandeln unter Hinzuziehung der Gemeinden
Lübbertsfehn und Mittegroßefehn.“
gez. H. Buß, Gemeindevorsteher

Nach dem Protokoll vom 15.06.1934 wurde die Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr Westgroßefehn vom „Gemeindeschulzen“ Johann Schaa einberufen. Die Nationalsozialisten hatten die traditionelle Bezeichnung Gemeindevorsteher durch das in Ostfriesland völlig ungebräuchliche Wort Gemeindeschulze ersetzt. Gemäß dem nationalsozialistischen Führerprinzip wurden jetzt auch Bezeichnungen wie Kreisfeuerwehrführer, Feuerwehrführer, Hauptwachtmeister und Wachtmeister der Feuerwehr eingeführt. Der Brandmeister Christoph Onneken und die beiden Löschmeister Johann Schaa und Gerhard de Wall wurden zu Hilfspolizeibeamten bestellt. Die Feuerwehren wurden aufgefordert, Seitengewehre anzuschaffen. Es war also die Tendenz erkennbar, die Feuerwehren zu einer polizeilichen und halbmilitärischen Einrichtung umzubilden. Die Feuerwehren selbst verwendeten nach den Unterlagen diese Bezeichnungen aber kaum. Sie zogen die altvertrauten Wörter Bürgermeister und Brandmeister vor.

Mitbegründer der neuen Freiwilligen Feuerwehr West-Mittegroßefehn waren:

  • Christoph Onneken (Brandmeister)
  • Ulrich Otten (Schriftführer)
  • Hinrich Brunken (Gerätewart)
  • Gerhard de Wall (Löschmeister)
  • Focko Müller (Oberfeuerwehrmann)
  • Gerhard Feyen (Oberfeuerwehrmann)
  • Hango Focken
  • Heye Soeken
  • Hinrich Manßen
  • Johannes Müller
  • Georg Redenius
  • Hinrich de Wall
  • Antoni Rosenboom
  • Johann Lieutenant
  • Mimke Stecker
  • Hermann v. Aswege
  • Martin Theesfeld
  • Heinrich Buß

Hinrich Brunken gehörte eigentlich zur Altersabteilung, aber weil sein Sachverstand für die Wehr unverzichtbar war, wurde er trotzdem Gerätewart. Er verfügte anscheinend auch als Einziger über ein Telefon („Tel. Timmel 24“).

Noch im Gründungsjahr werden weitere Mitglieder aufgenommen:
Heio Buß
Johann Harms
Bernhard Ballin
Hinrich Kleen
Hans Lindenbeck
Gerhard Hedemann
Bernhard Martens
Hermann Frerichs

Alle Amtsinhaber wohnten in Westgroßefehn, aus Mittegroßefehn kamen 15 aktive Feuerwehrleute. Die enge Verbindung mit der Gemeinde Westgroßefehn war noch deutlich erkennbar.

Über den Zustand der Wehr wurde in der Versammlung am 15.06.1934 festgestellt: „Da sich beim letzten Brande erhebliche Mängel an der Spritze herausgestellt haben, bedarf diese einer gründlichen Überholung. Es werden benötigt: 60 m Druckschlauch mit Gummieinlagen, 2 Signalhörner, 4 Ketten¬stränge, 2 Steigergurte mit Karabinerhaken, 2 Brandmasken. Es soll versucht werden, von der Landschaftlichen Brandkasse einen Zuschuss zu den Anschaffungskosten zu erhalten. Da die junge Wehr zunächst erhebliche Unkosten zu tragen hat, soll eine Liste zur Einzeichnung passiver Mitglieder in Umlauf gesetzt werden. Es zeichneten sich sogleich 3 passive Mitglieder ein. Mit einem 3fachen Sieg-Heil! wurde die Versammlung gegen 10 Uhr geschlossen.“

Am 20. Juni 1934 schrieb der Kreisfeuerwehrführer Fr. Christmann an den Schriftführer Ulrich Otten und gab ihm die Anweisung, dass jeder Schriftwechsel durch den Kreisfeuerwehrverband zu erfolgen hat. Den Antrag an die Landschaftliche Brandkasse könne er nicht in dieser Form weitersenden. „Nach §16 Abs.1 des Feuerlöschgesetzes vom 15. Dezember 1933 ist es Aufgabe der Gemeinde, für die Ausrüstung der Wehr Sorge zu tragen, wie z.B. die Anschaffung von Signalhörnern, Feuermeldeschilder usw. Diese Sachen, wie Steigergurte aus Leder pp. Müssen genau nach Vorschrift bestellt werden, da dieses unsere Unfallverhütungsvorschrift vorschreibt.“
Auch bei den erforderlichen Meldungen hakt Christmann nach: „Wo bleibt der Bericht über den Brand Hahneburg? Ich habe an den Gemeindeschulzen Schaa geschrieben, dass der vorherige Gemeindevorsteher keinen Tätigkeitsbericht an die Brandkasse gesandt hat und daher die Spritzenprämie nicht bezahlt worden ist. Bei einem Brande muss immer die Spritze in Tätigkeit gewesen sein, sonst wird keine Spritzenprämie bezahlt.“

Am 26.6.1934 wandte sich der Kreisfeuerwehrführer für den Kreis Aurich an die Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse „mit der Bitte um Bewilligung einer Beihilfe von 50% zwecks Anschaffung von 50m Schlauch sowie Kupplungen usw. Da die Freiwillige Feuerwehr in West-Grossefehn keinen Schlauch besitzt, ist die Anschaffung im Interesse der Feuersicherheit unbedingt erforderlich“. Die Kosten für 1 m Hauptschlauch betrügen 1,59 RM. Mit den erforderlichen Kupplungen ergebe sich ein Kostenanschlag von 94,20 RM. Die Brandkasse zahle bis zu 50 % Beihilfen. Für die restlichen 50 % sei die Gemeinde in Westgroßefehn und in Mittegroßefehn (als Feuerlöschverband) zuständig. Nicht erwähnt wird die Gemeinde Lübbertsfehn, obwohl sie dem Feuerlöschverband zugehörig ist.

Im Monatsbericht Juni heißt es: „Am Donnerstag, d. 14. Juni 1934 brannte das Fr. Eilerssche Haus in Ostgroßefehn, die Wehr bekam Nachricht um 12:40 Uhr. Um 13:06 Uhr war sie mit Spritze und 7 Mann an der Brandstelle. Um 16:40 Uhr war die Arbeit beendet.“

Am 2.8.1934 wurde dem Kreisfeuerwehrführer gemeldet, dass im Juli zwei Übungen stattgefunden hatten, an der je 23 und 30 aktive Mitglieder teilgenommen hatten.

Am 8. August 1934 übersandte der Kreisfeuerwehrführer Christmann dem Herrn Provinzialfeuerwehrführer in Celle einen Fragebogen der neu gegründeten Feuerwehr Westgroßefehn mit der Bitte um Ernennung des Brandmeisters und der Löschmeister. Er fügte hinzu: „Wie aus anl. Schreiben der Kreisleitung der NSDAP Aurich ( … ) hervorgeht, bestehen gegen die Ernennung keine Bedenken. Auch ich habe keine Bedenken zu erheben.“
Hieraus geht hervor, wie im totalitären NS-Staat auch die Feuerwehren politisch eingebunden wurden.

Am 4. September 1934 meldete der Schriftführer Otten, dass im August drei Feuerwehrübungen und Probealarme stattgefunden haben, und zwar am 6. August mit zehn Mann, am 13. August mit 20 Mann und am 20. August mit 13 Mann. „Der geringe Besuch der ersten Übung lässt sich durch dringende Erntearbeiten entschuldigen. Bei dem Probealarm am 24. August waren 21 Feuerwehrleute zur Stelle. Innerhalb 7 Minuten erfolgte Wassergabe.“
Offenbar hatte die Feuerwehr anfangs öfter Probleme mit der Einsatzbereitschaft der Feuerwehrleute. Am 10. Dezember 1934 musste sie dem Kreisfeuerwehrführer melden, dass vier Feuerwehrmänner aus der Liste der aktiven Mitglieder wegen fortgesetztem Dienstversäumnisses gestrichen worden sind. Schwierigkeiten gab es auch mit der mangelnden Teilnahme des Feuerwehrmannes und Luftschutzblockwartes Gronewold. Der entschuldigt sich wegen Überlastung infolge seiner Verpflichtungen für den Reichsluftschutzbund. Schriftführer Otten fragte daraufhin beim Kreisfeuerwehrführer an, wie sie sich verhalten sollen: „Ein Austritt könnte ev. mehrere zur Folge haben und die junge Wehr gefährden“. Auch ein Kassenbericht wurde weitergemeldet. Er wies Einnahmen von 776,30 RM und Ausgaben in gleicher Höhe auf, war also ausgeglichen. Daher konnte Schriftführer Otten voller Stolz schreiben: „Nachdem es uns gelungen war, über die Schwierigkeiten der Finanzierung hinwegzukommen, bestellte die Wehr 18 Uniformen a 25,- RM.“

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