Freiwillige Feuerwehr West-/Mittegroßefehn & Ulbargen

Teil II: Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Ab 1935 – Bis zum Kriegsbeginn

Am 15. April 1935 hatte die Freiwillige Feuerwehr Westgroßefehn 29 aktive Mitglieder, davon 16 aus Westgroßefehn und 13 aus Mittegroßefehn. Gemeindebrandmeister war von 1934 bis 1961 Christoph Onneken.

Schwierigkeiten mit der Erstattung von Kosten gab es auch schon immer. Am 30. August 1935 wurde dem Brandmeister Onneken vom Kreisfeuerwehrführer Christmann mitgeteilt, dass der Feuerlöschverband West-Mittegroßefehn mit einem „Feuerwehrführer oder Feuerwehrmann“ am Kursus in der Feuerwehrschule in Celle vom 16. – 21. September teilzunehmen hat. Zur Teilnahme meldete sich der Brandmeister Onnecken. Er erhielt folgenden Bescheid:

„Anliegend übersende ich Ihnen die Einberufungspapiere zum Lehrgang Kursus I an der Feuerwehrschule in Celle vom 16. bis 21. September 1935. Sie erhalten bei der Bahn gegen Vorzeigung der anliegenden Einberufung 50% Fahrpreisermäßigung. Das Reisegeld erhalten Sie in Celle zurück. Ihr Reisetag ist der 15. September. Zweckmäßig ist es, wenn Sie mit dem D-Zug um 14 Uhr aus Leer über Bremen, Hannover nach Celle fahren. Sie sind dann gegen 20 Uhr in Celle. Auf anl. Bahnkarte hat der dortige
Bürgermeister 15 RM Gebühr einzuzahlen. In der Gebühr sind enthalten: Wohnung und volle Verpflegung in der Schule. Sie fahren in Zivil nach Celle. Dort erhalten Sie eine Uniform.“

Die Gemeinde zieht jedoch nicht mit. Am 31. August richtet der Gemeindevorsteher von Westgroßefehn, Johann Schaa, folgendes Schreiben an den Kreisfeuerwehrführer Christmann:

„Da die Mittel für Feuerwehrzwecke für das Rechnungsjahr 1935 erschöpft sind, kommt eine Bezahlung der Kursusgebühr für die hiesige Gemeinde nicht in Frage. Auch die Gemeinde Mitte-Großefehn hat kein Geld mehr für 1935 für Feuerwehrzwecke zur Verfügung. Ich muss Sie daher bitten, von der Kursusteilnahme seitens der hiesigen Feuerwehr abzusehen.“

Dabei wäre eine Aufbringung dieser Kosten kurz vorher noch möglich gewesen. Bei der Abrechnung des Kassenbestandes der Freiwilligen Feuerwehr trifft der Bürgermeister Schaa am 1. Mai 1935 nämlich folgende Entscheidung:

Der Kassenbestand in Höhe von 54,30 RM und die Prämie für den Brand Haneborg
in Höhe von 60 RM wurden der Freiwilligen Feuerwehr Westgroßefehn überlassen.

Später macht Johann Schaa bei der Feuerwehr nicht mehr mit. Der Schriftführer Otten schreibt:

„Das bisherige Mitglied der hiesigen Wehr Johann Schaa aus Westgroßefehn hat sich wegen Arbeitsüberlastung abgemeldet. Da Schaa den Posten eines Löschmeisters innehatte und im Führerrat tätig war, müssten beide Posten baldmöglichst wiederbesetzt werden. Diesseits wird dafür Kamerad Hinrich Kleen aus Westgroßefehn vorgeschlagen.“

Jetzt noch ein weiteres Beispiel für die Schwierigkeiten bei der Kostenerstattung: Brandmeister Christoph Onneken berichtete an den Kreisfeuerwehrführer:

„In der Nacht vom 15. auf 16. Sept. 1936 um 12 Uhr 30 Minuten wurde unsere Feuerwehr alarmiert. In der Schleuse bei Ballin lag das Motorschiff des Schiffers Rewert de Wall aus Ostgroßefehn mit einer Ladung Stroh, welches in Brand geraten war. 10 Minuten nach der Alarmierung wurde das erste Wasser gegeben. Durch ein tatkräftiges Eingreifen der Kameraden wurde die Ladung schnell ausgesetzt, unter ständiger Wasserabgabe. Das Stroh ist somit minderwertig, es handelt sich um 140 Zentner, ein Geldwert von zirka 100 RM. Das Schiff ist für größeren Schaden bewahrt geblieben. Nach dem Brande wurde die Schleuse von sämtlichen Strohresten befreit. Um 5 Uhr morgens rückte die Wehr wieder ab.“

Nach dem Brand des Schiffes stellte die Feuerwehr eine Reihe von Forderungen und Anfragen, die sie beim Kreisfeuerwehrführer einreichte:

  1. Bewilligung der Spritzenprämie durch die Landschaftliche Brandkasse zu Aurich.
  2. Eine Rechnung über Verzehrkosten von 6,40 RM anlässlich des Brandes.
  3. Bei dem Brand sind 4 Uniformen derart mitgenommen, dass neue beschafft werden
    müssen.

Die Spritzenprämie wird von der Landschaftlichen Brandkasse nicht gewährt, weil die Spritze nicht gebraucht wurde. Deshalb schreibt der Brandmeister Onneken einen weiteren Bericht an die Brandkasse, in dem er die Anstrengungen der Wehr herausstellt:

„Aus folgenden Gründen bittet die Wehr, in diesem Falle die Spritzenprämien nicht zu versagen. Die aus Stroh in Pressballen bestehende Ladung musste, da die Strohballen stark angesengt waren, über Bord geworfen werden. Während des Überbordwerfens musste dauernd Wasser gegeben werden, um ein Überhandnehmen des Brandes zu verhindern. Erst nach vierstündiger Arbeit war die Gefahr beseitigt und das anfangs über Bord geworfene Stroh mit Mühe aus dem Verlast ans Ufer geschafft werden.
Außerdem waren zeitweilig drei Nachbarhäuser, darunter die mit Reet gedeckte Mühle, stark gefährdet.“

Gleichzeitig richtete der Brandmeister Onneken an den Bürgermeister von Ostgroßefehn den Antrag auf die Erstattung der o.g. Verzehrkosten anlässlich des Brandes. Ostgroßefehn war die Heimatgemeinde des Schiffers de Wall. Onneken berief sich auf eine Dienstvorschrift, nach der der Feuerwehrführer bei längerem Einsatz für warme Verpflegung der Mannschaften sorgen muss. Die Kosten könnten aus der Wehrkasse nicht aufgebracht werden. Der Kreisfeuerwehrführer Christmann antwortete am 28. September 1936:

„Ich habe den Schiffer de Wall, Ostgroßefehn wegen des Brandes seines Schiffes hingeschrieben. Selbiger war heute bei mir. Er hat sich bereit erklärt, an die dortige Wehr einen Betrag in Höhe von 20 RM zu zahlen. Dieses Geld wird er am Mittwoch bei Gastwirt Ballin abliefern, wo Sie selbiges in Empfang nehmen wollen. Anliegend sende ich die Rechnung über 6,40 RM Verzehr zurück, welche Sie ev. von dem Betrag (20 RM) zahlen können, jedoch ist die Brandgemeinde verpflichtet, Erfrischung usw. zu geben und zu bezahlen. Wegen Abnutzung bzw. Verbrennung der Uniformröcke wollen Sie sich an die Feuerversicherungsgesellschaft wenden, wo die betreffenden Kameraden versichert sind. Die Brandkasse zahlt keine Entschädigung.“

Nach dem Dienstplan für 1936/37 wurde jede Woche ein Schulungsabend bzw. eine Angriffsübung durchgeführt, in der Weihnachtszeit jedoch mit Ausbildungspause. Für drei Schulungsabende „wird um Entsendung eines Mitgliedes des Kreisfeuerwehrverbandes zwecks Abhaltung eines Vortrages gebeten.“

Auszug aus den Protokollen:
  • 01.05.1935: Der Kassenbestand in Höhe von 54,30 RM wurde heute der Freiw. Feuerwehr West-Großefehn überlassen. Ebenso 60,- RM Prämie Brand Hahneburg. West-Großefehn, d. 1. Mai 1935 Joh. Schaa, Bürgermeister
  • 07.02.1936: Passiver Mitgliederbeitrag für 1935 63 RM
  • 04.05.1936: 50,26 RM
  • 17.07.1937: Hannoversche Feuerwehrzeitung 2 RM, 90 Pf.
  • 01.02.1938: An Zinsen = 24 Pf.
  • 04.05.1938: Erste Abschreibung der Uniformen 95 RM

Am 28. Mai 1939 schrieb der Brandmeister Christof Onneken folgenden Brandbericht an den Kreisfeuerwehrführer:

„Am Pfingstsonntag, d. 28. Mai ds. Js. um 14:30 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr Westgroßefehn nach P. Akkermann, Mittegroßefehn, alarmiert. Es brannte dort ein Auto, welches draußen neben dem Schuppen des Akkermann stand. Das Dach des Schuppens, welches mit Dachpappe bedeckt war, hatte bereits Feuer gefangen. Durch den starken Wind waren der Schuppen sowie das neben dem Schuppen stehende Wohnhaus, und die bei dem Hause stehende Tankstelle in Gefahr. Das Auto ist ausgebrannt. Mit der Handdruckspritze wurde das Dach des Schuppens abgelöscht. Um Zahlung einer
Spritzenprämie wird gebeten.“

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