Teil II: Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit

Ab 1940 – Zur Zeit des 2.Weltkrieges

Am 21.1.1940 sieht es personell mit der Feuerwehr „West u. Mittegroßefehn“ schlecht aus. Zum Heeresdienst eingezogen sind Menno Frerichs, Gerhard de Wall und Martin Theesfeld. Acht weitere Feuerwehrleute der Jahrgänge 1906 – 1910 werden „wahrscheinlich in nächster Zeit eingezogen werden. Maschinisten sind keine ausgebildet, eine Motorspritze ist nicht vorhanden. Kraftwagenführer gibt es ebenfalls keine.“

In einem Bericht über die Beschaffenheit der Feuerlöscheinrichtungen in Westgroßefehn am 13. Februar 1940 heißt es u.a.: Zahl der Hausnummern: 51, bebaute Grundstücke: 42, Einwohnerzahl: 230, Geschlossene Ortschaft oder Einzelgehöfte: Fehn, Zustand des Gerätehauses: gut, direkt an der Straße in Westgroßefehn; 1 Löschtrupp, Zahl der aktiven Männer: 12. Welche Spritzen sind vorhanden: Handdruckspritze, Fabrikat Adolf Pieper; Moers am Rhein, Baujahr 1883, vorschriftsmäßige Uniformröcke: 12, Hosen: keine, Mützen: 12, Mäntel, Arbeitsanzüge: keine.
Nachbarliche Löschhilfe innerhalb der 7,5 km-Zone ist unaufgefordert zu leisten nach folgenden Gemeinden: Timmel, Königshoek, Hatshausen, Ostgroßefehn, Lübbertsfehn, Hüllenerfehn, Westersander, Ostersander und Weene. Löschhilfe von außerhalb innerhalb der 7,5 km-Zone unaufgefordert von Weene (Kraftspritze), Timmel (Handdruckspritze).
Vorgeschlagene Verbesserungen: „Da die Wasserversorgung sehr gut ist, wäre eine Motorspritze wohl angebracht.“

Auszug aus den Protokollen:
  • 26.01.1939: Aus der Schießkasse 5 RM
  • 09.03.1939: 150 Scheibenkarten: 95 Reichspfennige
  • 01.09.1939: Rechnung Ostfriesische Tageszeitung für Todesanzeige 15 RM, 08 RPf.
  • 12.06.1941: An Mitgliederbeitrag der zum Wehrdienst Eingezogenen 14 RM
  • 26.11.1941: Sterbekasse der Ostfriesischen Freiwilligen Feuerwehren, Emden 42 RM,38 RPf.

Am 21. September 1942 erstattete der Unterkreisführer Johann von Essen dem Feuerwehrkreisführer Christmann einen Überprüfungsbericht der F.F.West- und Mittegroßefehn vom 19. September:

  1. Die Wehr war zusammen mit 17 Mann Aktive u. Ergänzungsmannschaften angetreten, es fehlten Onken, Frühling u. Aden, die drei waren entschuldigt durch Krankheit, die HJ-Einheit war mit 8 Mann voll angetreten.
  2. Die Sollstärke der Wehr war erfüllt, bis auf die 20 % mehr müssten demnach 3 Mann zugezogen werden. Habe angeordnet, wenn noch gute Kräfte da wären, diese anzuwerben.
  3. Das Verhalten der Wehr war gut, die Dienstauffassung rege, die Arbeiten am Gerät, das heißt das Gerät betriebsfertig machen, müsste schneller gehen, ich habe darauf hingewiesen, die Schrauben, Druckholme usw. zu ölen, damit im Ernstfall und bei Dunkelheit die einzelnen Teile schnell zu montieren sind.
  4. Es fehlt viel an Ausrüstung, Beleuchtung, Brechwerkzeuge usw. sowie Stahlhelme u. Breitgurte. Habe darauf hingewiesen, dass Beleuchtung und Brechwerkzeug bei der Firma I.E.Duis zu haben sind.
  5. Das Schlauchmaterial war reichlich wenig, müsste nach meiner Ansicht aufgefüllt werden.
  6. Ein Dienstbuch lag nicht vor, ist nach Angaben des Wehrführers in Arbeit und demnächst fertig.
  7. Den Dienstabend habe ich ausgefüllt mit einer Exerzierübung sowie 10 Minuten Fußdienst, was zu meiner Zufriedenheit ausfiel.
  8. Die Befehle und Kommandos des Wehrführers müssten etwas besser sein, habe darauf hingewiesen.
  9. Habe die Wehr über Verhalten in und außer Dienst, sowie Kameradschaftspflege belehrt und die Anordnungen bei Abwurf von Brand- und Phosphorbomben bekannt gegeben, sowie kurze Erläuterungen dazu.
  10. Um 21 Uhr 35 habe ich die Wehr entlassen, mit dem Wunsche fernerhin getreu dem Feuerwehrdienst nachzukommen und nach den neuen Vorschriften für Volk und Vaterland weiter zu arbeiten.“

Der Bericht spiegelt die Situation mitten im Zweiten Weltkrieg mit seinen Gefährdungen, dem Personenmangel durch die Einberufungen zum Militär, das Anlegen militärischer Maßstäbe wider, ist aber frei von nationalsozialistischer Ideologie. Ferner wird von nun an die gemeinsame Bezeichnung West-Mittegroßefehn verwendet.

Am Dienstag, d. 13. Oktober 1942 führte der Hauptzugführer Johann Schmidt eine Übung der Freiwilligen Feuerwehr Mitte- und Westgroßefehn bei dem Gerätehaus in Westgroßefehn durch:

„Obwohl die aktiven sowie Ergänzungskräfte mit einigen Entschuldigungen vollzählig zur Stelle waren, war ich über die Zahl der Anwesenden erstaunt. Die Wehr hatte eine friedensmäßige Stärke von 22 Mann gehabt und hat diese Zahl, trotzdem Männer
von 67 Jahren in Uniform eingekleidet sind, noch nicht wieder erreicht. Ich habe auf Grund dieses den Wehrführer de Wall aufgefordert, Ihnen im Einvernehmen mit dem Bürgermeister und dem dortigen Hoheitsträger Namen aus den beiden Ortschaften
und zwar Männer jüngerer Jahrgänge zu benennen. Wie mir mitgeteilt wurde, sollen tatsächlich jüngere Männer, einmal durch den Reichsnährstand reklamiert und auf der anderen Seite durch andere Stellen freigestellt, anwesend sein.
Auf Grund des Vorstehenden scheiterte auch die Durchführung der Übungen. Ich kann nämlich von Männern älterer Jahrgänge nicht verlangen, dass die Übungen so militärisch durchgezogen werden, wie ich es nun einmal gewohnt bin. Es ließ sich
keine Gruppe jüngerer Männer zusammenstellen, da eben solche nicht da waren. Trotz meiner Vermahnungen an den Wehrführer sowie an alle Wehrmänner glaube ich nicht, dass der Wehrführer de Wall es fertig bringt, die Wehr nun einmal in der
Ausbildung dahin zu bringen, wohin sie gehört. Ich musste während der Übung vieles bemängeln und richtig stellen. Die Kommandoabgabe durch den Wehrführer sowie durch andere Wehrmänner war sehr schlecht. Auch waren die Männer nicht genügend unterrichtet über die Durchführung usw. Ich halte es für angebracht, dass sie den Wehrführer de Wall auf seine Pflichten ganz besonders hinweisen und ebenfalls nochmals zum Ausdruck bringen, wie die Wehr ausgebildet werden soll. Auch nehme ich an, dass sie mit mir einig gehen, dass die Wehr über den Friedensstand mit jüngeren Kräften aufgestockt wird.“

Dieser nur einen Monat später verfasste Bericht ist wesentlich negativer aus als der vorangehende ausgefallen. Offenbar legte der Hauptzugführer Schmidt wesentlich schärfere Maßstäbe an als der Unterkreisführer von Essen. Nicht zu ändern ist aber der kriegsbedingte Mangel an jungen, körperlich leistungsfähigen Männern. Die Bereitschaft der noch anwesenden, vom Militärdienst reklamierten jungen Männer, sich am Feuerwehrdienst zu beteiligen, hielt sich offenbar in Grenzen.

Am 31. 03.1943 meldete Gerhard de Wall:

„Nachmittags um 15 Uhr wurde die Freiwillige Feuerwehr West- und Mittegroßefehn alarmiert. In dem mit Stroh gedeckten Hause des Menno Wulf in Lübbertsfehn war durch Schornsteinbrand das Feuer entstanden. Bei dem herrschenden Sturm war das große in Windrichtung stehende auch mit Stroh und Reith bedeckte Platzgebäude der Gebrüder Gronewold sehr stark gefährdet. Durch unser sofortiges Eingreifen wurde ein sehr großer Schaden verhütet. Unsere Wehr war als Erste an der Brandstelle und hat als Erste Wasser gegeben. Bitte um dementsprechende Berücksichtigung bei der Prämien Verteilung.“

Am 18. April 1943 meldete der Wehrführer de Wall folgenden Personalbestand: Aktive Feuerwehrmänner 5, Ergänzungskräfte aus der HJ 15, sonstige Ergänzungskräfte 17.

Am 22.5.1943 überprüfte der Unterkreisführer Lindemann aus Simonswolde die Feuerwehr in Mittegroßefehn-Westgroßefehn und stellte fest:

„Die Mannschaften waren bis auf einige, die sich entschuldigen ließen, zur Stelle. Ich ließ mir durch eine HJ-Löschgruppe eine Schulübung vorführen. Sie klappte noch längst nicht zu meiner Zufriedenheit, doch haben die Leute seit unserm letzten Dortsein hinzugelernt und, wie ich feststellen konnte, auch fleißig geübt. Der Wehrführer müßte energischer sein.“

Der Einsatz von 14-18jährigen Jugendlichen der Hitlerjugend, der kaum freiwillig erfolgte, hat bei allen Unzulänglichkeiten damals sicher den knappen Mannschaftsbestand der Feuerwehren aufgebessert und den Feuerschutz der Bevölkerung verbessert. Während in der Gegenwart die Jugendfeuerwehr den Nachwuchs sichern soll, musste in den Kriegsjahren der Mangel an volljährigen Männern personell ausgeglichen werden. Dem ständig kritisierten Wehrführer de Wall muss zugute gehalten werden, dass zwei seiner Vorgänger zur Wehrmacht eingezogen waren. De Wall war nicht zum Brandmeister gewählt und übte diese Funktion offenbar nur vertretungsweise aus.

In den letzten Kriegsjahren 1942 bis 1945 kam es nicht mehr zu einer abgezeichneten Rechnungslegung. Der Kassenbestand wurde erst am 11. Mai 1948 vom Brandmeister Christoph Onneken als erhalten bestätigt. Er betrug 1211,56 RM.

1943, nach anderen Angaben 1945, wurde eine motorgetriebene Tragkraftspritze DKW angeschafft. Die alte Handdruckspritze wurde später um das Jahr 1950 an die damalige Gemeinde Ulbargen verkauft.

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