Teil III: Vom Tanklöschfahrzeug zum Jahrtausendwechsel

Ab 2000 – Zur Jahrtausendwende

Das neue Jahrtausend wurde im Rahmen eines Feuerwehrdienstes begrüßt: Weil Befürchtungen bestanden, dass es aufgrund des Jahrtausendwechsels zu technischen Problemen und damit zu Gefährdungen der Bevölkerung kommen könnte, die ein Eingreifen der Feuerwehr erforderlich machen würden, feierte eine Gruppe von aktiven Mitgliedern die Silvesternacht im Feuerwehrgebäude. Es blieb aber alles ruhig.

In der Mitgliederversammlung vom 14.01.2000 konnte der Ortsbrandmeister Ernst Hemmen mitteilen, dass die Feuerwehr West-Mitte jetzt die Mitgliederzahl von 300 überschritten hat. Die Gesamtzahl betrug am 31.12.1999 305 Mitglieder. Als 300. Mitglied wurde Hans-Jürgen Leiner in die „große Familie“ aufgenommen. Höhepunkt des Jahres 1999 war die Wahl zur beliebtesten Freiwilligen Feuerwehr Niedersachsens. Dieser Wettbewerb war vom Heimatsender NDR Niedersachsen ausgeschrieben worden. Ein großer Pokal und die Aussicht auf ein gesponsertes Fest im Mai 2000 sind die Frucht dieses Sieges.

An spektakulären Hilfeleistungseinsätzen sind zu erwähnen: In Ostgroßefehn mussten einige Feuerwehrkameraden in das kalte Wasser des Großefehnkanals springen und Personen bergen. Ein PKW war als Folge eines Unfalls in den Kanal geraten. Zwei schwer Verletzte wurden aus dem Fahrzeug gerettet. Leider starb eine Person trotz langer Wiederbelebungsversuche noch am Unfallort, die zweite Person lag noch lange im Koma.
Bei einem Einsatz in den Timmeler Meeden mussten drei Kühe aus dem Fehntjer Tief gerettet werden. Es gelang, die Tiere aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Dieser Einsatz wurde von einem Kamerateam vom privaten Fernsehsender SAT 1 aufgenommen.

Absolutes Highlight des Jahres 2000 war das Fest anlässlich der Wahl zur beliebtesten Feuerwehr Niedersachsens vom 05.-07.05.2000. Die auf dem Festplatz durchgeführte Festveranstaltung war vom Ablauf bis zu den Besucherzahlen ein voller Erfolg. Begonnen wurde mit der FFN Party unter der Moderation von Martin Jürgensmann. Es folgten die hervorragend organisierten Spiele ohne Grenzen und die Songs des begeisternden Schlagerstars IBO mit anschließendem Tanz bis spät in die Nacht.

Das erst 1986 eingeweihte Feuerwehrgerätehaus war 2001 schon wieder zu klein geworden. Es fehlte an Abstellmöglichkeiten für Gerätschaften und Materialien und an Werkflächen. Auch sollte die historische Handdruckspritze einen würdigen Abstellplatz haben. Es wurden daher 54 qm in Eigenleistung angebaut. Das Projekt musste alleine durch die Wehr finanziert werden, ohne Unterstützung der öffentlichen Hand. Das wurde finanziell ermöglicht durch langes Sparen, Verwendung von Mitgliedsbeiträgen, Brandprämien und Überschüssen aus Maifeiern.

Ein Aufsehen erregender Einsatz mit tragischem Ausgang war eine Personensuche auf der Nordseeinsel Norderney, an der sich auch die Freiwillige Feuerwehr West-Mittegroßefehn vom 31.08.-01.09.2001 beteiligte. Mehr als 800 freiwillige Helfer suchten drei Tage lang den fünfjährigen Florian, der von seiner Mutter als vermisst gemeldet worden war. Leider wurde er tot am Strand gefunden.

Auf der Mitgliederversammlung vom 10.01.2003 berichtet der Ortsbrandmeister Ernst Hemmen von dem Einsatz der Feuerwehr beim Elbehochwasser im August 2002. Die Feuerwehr West-Mittegroßefehn war im Rahmen der Kreisfeuerwehrbereitschaft Aurich Abschnitt Süd vom 20.-24.08.2002 unterwegs. Mit 22 vollbesetzten Feuerwehrfahrzeugen ging es ab Sammelplatz Aurich los. In Kaarßen (Amt Neuhaus) mussten Sandsäcke gefüllt werden. Die Elbe bot nicht mehr den Anblick eines Flusses, sondern hatte sich in eine Seenlandschaft verwandelt. In Privelack erfolgte der Einsatz zur Deichsicherung zusammen mit der Bundeswehr. Die Deiche boten besonders für ostfriesische Augen einen maroden Anblick. An den Deichsohlen sickerte das Wasser in unzähligen Rinnsalen durch. Dadurch hatte sich das unmittelbare Hinterland in einen für Fahrzeuge unpassierbaren Morast verwandelt. Deshalb mussten zum Teil bis zu 100 Meter lange Menschenketten zur Ablage von Sandsäcken gebildet werden. Der schwerste Einsatz erfolgte in Neu-Garge. Der Ort war zwangsevakuiert worden. Unterstützung kam von mehreren Feuerwehren aus Hamburg. Die Kameradschaft mit den Großstädtern war sofort gut. Im Bereich Pommenau mussten die Außendeiche mit vorbereiteten Stahlmatten fixiert werden. Die erforderlichen Sandsäcke wurden per Hubschrauber palettenweise abgesetzt. An Nachtruhe im Lager war wegen der Hitze und des Lärms nicht zu denken. Dann erfolgte der erlösende Anruf des Kreisbrandmeisters Ludwig Grimm: „Wir (die Kreisfeuerwehrbereitschaft Aurich Abschnitt Nord) sind in Lauenau und lösen euch bald ab.“ Nun konnte gepackt, sich abgemeldet und die Heimfahrt angetreten werden.

Elbehochwasser 2002 bei Amt Neuhaus

Elbehochwasser 2002 bei Amt Neuhaus

Dieser Bericht zeigt, wie die freiwilligen Feuerwehren auch bei entfernten überregionalen Gefahrenlagen zum Schutz des Landes und der Bevölkerung eingesetzt werden können.

Am 17.10.2002 wurde Manfred Ochsler in den Ruhestand verabschiedet. Auf der Veranstaltung würdigten alle Redner die Verdienste Manfred Ochslers im Feuerwehrwesen und seinen Aufstieg innerhalb der Feuerwehrorganisation über die Stationen Ortsbrandmeister, Abschnittsleiter, Bezirksbrandmeister und Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen. Auch der Arbeitskreis der ostfriesischen Feuerwehren, die Vorgängerorganisation des Feuerwehrverbandes Ostfriesland, wurde von ihm ins Leben gerufen.

Am 18.09.2003 wurde das Brandschutzinfomobil von der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse an den Arbeitskreis der ostfriesischen Feuerwehren übergeben. Stationiert ist das Brandschutzinfomobil in West-Mittegroßefehn. Es wurde konzipiert, um die Öffentlichkeitsarbeit der Freiwilligen Feuerwehren zu unterstützen.

Zum spektakulärsten Einsatz im Jahr 2003 wurde die Wehr an Silvester gerufen. Der LKW eines Getränkegroßhandels geriet in Strackholt in einer S-Kurve außer Kontrolle und kippte um. 60 000 (leider leere …) Bierflaschen verteilten sich auf einer Straßenlänge von 2300 Metern. Die Aufgabe der Feuerwehr West-Mittegroßefehn war es, in Zusammenarbeit mit der Ortsfeuerwehr Strackholt die Straße zu reinigen. Der LKW wurde mit Hilfe von zwei Kränen wieder aufgerichtet.

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